Elternabend Medienkompetenz

Am 12.11.2019 fand an der Gerhart-Hauptmann-Oberschule der sehnlichst erwartete Elternabend zum Thema „Medienkompetenz“ statt. Obwohl die eigentliche Referentin aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, gelang es unserer Schulsozialar­beiterin Frau Magnus einen Ersatz zu organisieren.

So begann pünktlich um 19:00 Uhr mit dem eingesprungenen Referenten Marsel Krause und vielen interessierten Eltern der Elternabend. Schon zu Beginn machte Herr Krause klar, dass die eigentliche Zielgruppe höchstwahrsche­inlich nicht anwesend sei. Auf Elternabenden zum Thema Medienkompetenz, so Krause, seien überwiegend Eltern präsent die entweder unsicher sind und Rat suchen oder Eltern die weitestgehend alles richtig machen, sich aber diesen Faktes vergewissern wollen. Es ist ein Phänomen, dass Eltern die eigentlich erreicht werden müssten leider nicht zu diesen Elternabenden erscheinen. Nach diesem kurzen Einstieg präsentierte Krause eine interessante Statistik: Bei einer Studie der BLIKK – Medien wurden Eltern gefragt ob Sie Beratungsbedarf für den Umgang ihres Kindes/Jugendlichen mit Internet und Smartphone sehen. Dabei antworteten 90% der Eltern mit „Nein“. Schlussfolgernd müssten also die große Mehrheit aller Eltern vertraut in Bezug auf den Umgang Medien sein. Diese These ist sehr gewagt, denn gerade in den älteren Generationen herrscht eine starke Unsicherheit bezüglich der „neuen“ Medien. Krause erläuterte die kindliche Medienwahrnehmung und machte schon zu Beginn deutlich, dass gerade wir Erwachsenen uns häufig selbst an die eigene Nase fassen müssen. Kinder eifern nach und übernehmen die Verhaltensweisen ihrer Eltern. So ist die Medienkompetenz nicht nur ein Thema der jungen Menschen, Nein. Es umfasst auch die Vorbildfunktion ihrer Erziehungsberechtig­ten.

Dabei spielt im Oberschulbereich vor allem ein Medium eine große Rolle: das Smartphone. Allgemein, so Krause, empfiehlt sich das Smartphone ab 11 bis 12 Jahren. Dabei sollte aber auf jeden Fall der individuelle Entwicklungsfor­tschritt des Kindes beachtet werden. Das gleiche gilt für soziale Netzwerke. Laut der europäischen Datenschutzbes­timmung (EU-DSGVO) ist es tatsächlich erst mit 16 Jahren erlaubt, soziale Dienste wie WhatsApp zu nutzen. Nutzen jüngere Kinder oder Jugendliche diese Medien, müssen Eltern der Verarbeitung ihrer Daten zustimmen und sicherstellen, dass das Kindeswohl nicht gefährdet ist. Ein weiterer Punkt, der auch Marsel Krause sehr wichtig ist, stellt den Umgang mit Gefahren neuer Medien dar. Vor allem zwischen Jugendlichen ist dabei Cybermobbing ein Thema. Einen direkten Hilfeplan für Betroffenen gibt es natürlich nicht, jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Trotzdem sollten bestimmte Maßnahmen getroffen werden. So ist es immer sinnvoll Bildschirmdrucke (Screenshots) zu speichern, Täter zu blockieren, Privatsphäre-Einstellungen zu nutzen und gegebenenfalls mit Lehrer/innen oder sogar der Polizei in Kontakt zu treten. Auch wenn Cybermobbing kein Straftatbestand ist, können andere Gesetze des Strafgesetzbuches greifen. Zuletzt kam Krause noch auf die verschiedenen sozialen Netzwerke zu sprechen, die gerade bei Jugendlichen beliebt sind. Ganz vorne rangiert natürlich WhatsApp, gefolgt von Instagram und YouTube. Steigender Beliebtheit, vor allem bei Mädchen, erfreut sich TikTok. Bei dieser App geht es vor allem um das Aufnehmen, Bearbeiten und Teilen von 15-sekündigen bis 5-minütigen Videos. Es entbrannte eine kurze Diskussion, ab wann man seinem Kind die Nutzung erlauben sollte. Letztlich hängt auch das von der Reife des Kindes ab.

Zuletzt ging es noch um die beliebtesten Spiele im Jugendalter. „Games“ sind immer eine Unterhaltungswelt und damit gleichzusetzen mit anderen Unterhaltsmedien wie Theater und Kino. Es hilft daher nicht, diese Medien zu verteufeln. Dieser Grundsatz wird innerhalb des Elternabends immer wieder deutlich. Eltern können die Medienkompetenz ihrer Kinder nur fördern, wenn sie sich mit diesen Medien beschäftigen, Interesse zeigen und trotzdem den Konsum konsequent regeln. Dabei sollten Eltern möglichst individuell über die Nutzungsdauer entscheiden. Spiele dauern selten genau 15 Minuten, sondern sind häufig in Runden angelegt. Es ist durchaus sinnvoll, das Kind die Runde noch beenden zu lassen und dafür den Konsum zum Beispiel am nächsten Tag zu verringern. Spiele, die eine Altersbeschränkung haben, sollten jedoch mit Vorsicht genossen werden. Um zu verstehen worum es geht, helfen zum Beispiel Let´s Play Videos, in denen man erkennt wie das Spiel aufgebaut ist. Definitiv ein Tabu und gleichzeitig eine Kindeswohlgefährdung sind Spiele ab 18 Jahren. Die haben bis zur Volljährigkeit absolut nichts in einem Kinderzimmer zu suchen. Am Schluss macht Marsel Krause nochmal Mut. Wer sein eigenes Verhalten einschätzen kann und mit Neugier und Offenheit auf die „neuen Medien" zugeht, kann dieses Medienverhalten auch an seine Kinder weitergeben. Ein Kind ist nicht gleich süchtig, weil es in einem Lebensabschnitt exzessiv neue Medien nutzt. Das Jugendliche auch exzessive Phasen haben ist durchaus normal, wichtig ist diese zu Begleiten und einzugreifen bevor es kritisch wird.

Der Elternabend war ein sehr informativer und interessanter Abend. Marsel Krause präsentierte keine Allgemeinlösung, gab dafür aber Hinweise und Denkanstöße um sich im Umgang sicherer zu fühlen. Dabei nahm er die Angst, alles an neuen Medien sei schlecht und verwies immer wieder auf die eigene Jugend, die damaligen „neuen Medien“ wie z.B der Gameboy oder andere Computerspiele und auch der damals schon sorgenvolle Ton der älteren, aus den jungen Menschen würde nichts werden. Nun, auch aus denen ist etwas geworden :)

Wir bedanken uns herzlich für das kurzfristigen Einspringen und den spannenden Abend!

default alt. text Marsel Krause von der Saek Zwickau (Sächsiche Ausbildungs- und Erprobungskanäle) führte durch den Abend.